26.8.10

Streetglotz und Kotzekotz

Ich bin etwas irritiert angesichts der Aufregung über Googles Streetview, aber ich kann es in Ansätzen verstehen. Elena, Swift, Telefon- und Internet Datenspeicherung sind z.B viel Besorgnis erregender. Auch beispielsweise über das Paypal System geben Kunden freiwillig sehr viel ihrer privaten Daten preis.

Allerdings liegt meines Erachtens der Kern des Pudels bei der Greifbarkeit der Thematik: Es fährt ein Wagen durch meine Straße und fotografiert mein Haus. Punkt. So einfach ist das Problem zu verstehen. Hier kann sich jeder eine Meinung machen (lassen).
Bei den elektronischen Datensammlungen ist der Vorgang sehr viel komplizierter, da sie größtenteils unbemerkt und unaufgebauscht von den Medien ablaufen(wie will man beispielsweise in einer Minute Elena erklären oder gar ZEIGEN. Hier fährt ja schließlich kein Elena-Auto durch das Büro des Arbeitgebers und liefert die Arbeitnehmer-Daten bei der zentralen Speicherstelle ab.) .

In Deutschland hat Google einfach Pech gehabt. Die Deutschen sind zwar sehr auf ihre Privatsphäre bedacht, aber sie verschwindet wie von Zauberhand auf dem Weg zum Auto. Gegen alles andere "kann man ja eh nix machen..."

Interessant ist auch Google Maps, welches sehr viel eher zur Einbruchsplanung geeignet wäre. Hier hatte Google aber den Vorteil sich langsam anzuschleichen und außerdem aus der Luft zu fotografieren. Als der Satelitenbilderdienst 2006 eingeführt wurde geschah das ohne großen Trommelwirbel der Medien und es wurde Internetzseltennutzer Walter von umme Ecke nicht mit der Neuigkeit geschockt, dass sein Haus von einem Wagen geknipst und anschließend im Sündenpfuhl online gestellt wird und dat au noch ohne zu fragen.

Ich war kurz versucht, auch noch was über die, wegen mangelnder Hygiene in Krankenhäusern, verstorbenen Säuglingezu schreiben, aber ich hab keine Lust. Wenn deutsche Patienten in den Niederlanden schon seit Jahren als potentielle Keimschleudern erstmal in Quarantäne gesteckt werden, ist jeglicher Kommentar überflüssig.

Überhaupt kotzt mich alles momentan an. Das reaktionäre Geschwafel, Meinungsmache, Turbo-Kapitalismus und seine Folgen, Superehemanns Steinmeiers Mediennierengespende, die Schnellebigkeit der Nachrichten. Die Kommentarforen der Newsportale, bei denen ich früher mit Herzblut mitdiskutiert habe, ermüden mich nur noch. Jeder versucht jeden von seiner Meinung zu überzeugen, ohne zu merken wie sinnlos und bescheuert das ist. Manchmal schreibe ich sogar noch einen Text, manchmal sogar einen recht langen, nur um dann im nächsten Moment einfach das Fenster zu schließen und mir vorzustellen, wie ich meinen Post auf Papier schreibe, an einem Stein befestige und ihn dann ins Meer schmeisse, was die Gesellschaft und mich genauso viel weiterbringt, als hätte ich auf "Abschicken" gedrückt.

Kommentare:

  1. Komischerweise regt sich keiner über Microsoft Bing auf, womit man schon länger sowas ähnliches wie Streetview für deutsche Straßen hat.

    Und als damals die Satellitenbilder eingeführt wurden, da gab's auch ähnliche Aufschreie wie jetzt bei Streetview. Wenn ich mich recht erinnere.

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  2. Da kann ich mich z.B. nicht mehr daran erinnern. Aber ich vermute mal, dass das Ganze nicht ganz so große Kreise zog?

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  3. Hehehe, ein Ahoi Polloi zum Thema: http://ahoipolloi.blogger.de/stories/1678091/

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